In Indien ist Yoga seit mehr als 3.500 Jahren bekannt. Nomaden aus Zentralasien (Arier) drangen seit 1500 v. Chr. immer weiter in den indischen Subkontinent vor und brachten – zusammen mit ihrer Gesellschaftsordnung, dem Kastenwesen – eine Geistesdisziplin mit, die sie „Yoga“ nannten. Diese beinhaltet Methoden, den Geist so einzusetzen, dass die Sinne unter Kontrolle sind und der Körper beherrscht werden kann. Um es mit einem Bild auszudrücken: Der Geist hält als Wagenlenker die fünf Sinne im Zaum, spannt sie vor den Wagen – den Körper – und gibt ihm die Richtung an.

Das indische Kastensystem

  1. Oberstand/Lehrstand (Brahmanen): Priester, Hüter und Lehrer des Wissens und der Wahrheit (der Veden)
  2. Wehrstand (Kshatrya): Beamte, Könige, Adlige, Krieger und Soldaten
  3. Nährstand (Vaishya): Bauern und Händler, Handwerker
  4. Arbeiter (Shudra): Diener der oberen Stände
  5. Die nicht als Kaste anerkannten Unberührbaren (Dalit): Tagelöhner, Bettler und gesellschaftlich Verachtete

Die 3 großen Traditionslinien des Yoga

Im Verlauf der Jahrtausende haben sich drei große Traditionslinien im Yoga aus unterschiedlichen Grundlagentexten entwickelt:

  1. Der religiös geprägte Yoga basiert auf den Upanishaden, einer Textsammlung aus der Zeit um 800 v. Chr., in der die Essenz der Veden – der alt-indischen Schriften zu Religion und Philosophie – festgehalten, diskutiert und kommentiert wurde. Eine weitere Quelle indischer Weisheit erkennt dem Yoga ebenfalls eine besondere Bedeutung zu: die Bhagavadgita, ein großes Lehrgedicht aus 18 Gesängen im Mahabharata, das – zusammen mit dem Ramayana – den um 500 v. Chr. entstandenen Nationalepos bildet. Diese große Schriftensammlung vermittelt das historische Wissen auf überaus anschauliche Weise.
  2. Der klassisch-philosophische Yoga basiert auf Patanjalis Yoga-Sutras (entstanden in der Zeit 200 v.–200 n. Chr.), die häufig als Grundlagentexte des Yoga schlechthin bezeichnet werden. In diesen Sutras (Leitfäden) wird die Funktionsweise des Geistes beschrieben und ein Weg aufgezeigt, um die Störungen im Geist zu überwinden und zu wahrer Erkenntnis über sich und die Welt zu gelangen.
  3. Der Hatha Yoga hat die Hatha Yoga Pradipika (entstanden 800–1200 n. hr.) zur Grundlage – gewissermaßen ein Praxishandbuch zu Patanjalis Sutras. In ihr werden Körperpraktiken beschrieben, durch die der Körper als Werkzeug auf dem Weg zur Erkenntnis eingesetzt werden kann.

Auf der Grundlage der Bhagavadgita, der Sutras Patanjalis und der Hatha Yoga Pradipika entwickelten sich die zentralen Konzepte der yogischen Weltanschauung; alle späteren Werke zum Yoga finden hier in der einen oder anderen Weise ihre Wurzeln. Und auch die heutige Yoga-Praxis verbindet häufig eine oder mehrere Traditionslinien.

Religiös geprägter Yoga

Von den Veden zu den Upanishaden
Aus den Veden, den ältesten Schriftensammlungen des spirituellen, philosophischen und wissenschaftlichen Wissens Indiens (vor 1.000 v. Chr.) geht hervor, dass Yoga in der Frühzeit im Kontext religiöser Opferhandlungen und mystischer Ekstasetechniken praktiziert wurde. Die Weitergabe von Wissen oblag der höchsten Gesellschaftskaste, den Brahmanen (Priester und Weise); sie erfolgte im Rahmen eines engen Lehrer-Schüler-Verhältnisses – mündlich, durch Rezitation, bei der das Wissen wortgetreu weitergegeben wurde.

Denn die Worte der Veden galten als göttliche Offenbarung, welche die Brahmanen in tiefer Meditation empfangen hatten, und durften nicht verändert werden. Opferhandlungen und Ekstaserituale dienten dazu, die angerufenen Götter milde zu stimmen und den Erfolg der Opfergabe zu garantieren. Diese Praktiken wurden im Laufe der Jahrhunderte komplexer und die Anstrengungen der Ausübenden immer größer. Sogenannte Fakire, Mitglieder religiöser Hindu-Orden, versuchen sich bis in unsere Zeit in Übungen extremer Askese und des Yoga, um sich auf diese Weise von der Sinnenwelt zu lösen (und die Götter gut zu stimmen).

Die Götter des Hinduismus auf einen Blick
In der Frühzeit bevölkerte eine Unzahl von Göttern den hinduistischen Pantheon – und jede Gottheit besaß klar umgrenzte Zuständigkeiten: So gab es den Gott des Donners, den Gott der Sonne, den Gott des Windes und noch viele mehr. Seit etwa 1.000 v. Chr. konzentrierten sich die religiösen Vorstellungen zunehmend auf die sogenannte Trimurti: die Dreieinigkeit von Brahma, Vishnu und Shiva.

Yoga: Praxis zur Selbstfindung

Nachdem die religiös geprägten Opferrituale und Yoga-Praktiken immer extremer wurden, wurden sie im Laufe der Zeit zunehmend in Frage gestellt. Durch erste Niederschriften der Veden um 1.000 v. Chr. wurde das – bisher ausschließlich von den Brahmanen gehütete – Wissen erstmals breiter zugänglich gemacht (wenngleich auch nach wie vor nur einer kleinen lesenden Minderheit) und bot eine Grundlage für Diskussionen und Reflexionen. Die Gespräche über die vedischen Texte zwischen Lehrer und Schüler berührten die elementaren Fragen der Menschheit und der Welt; sie wurden um 800 v. Chr. in den Upanishaden zusammengefasst, die als Essenz der Veden betrachtet werden können.

In den Upanishaden findet sich eine Fülle von Kommentaren, die im Laufe der Jahrhunderte ihrerseits wieder kommentiert wurden. In ihnen wird der philosophische Kerngedanke entwickelt, dass alles Eins ist – und demzufolge Gott in allem und alles in Gott ist. Durch dieses neue Weltbild wurden die ehemals religiös geprägten Opferrituale überflüssig – wurde nun doch das eigene Selbst ebenfalls als göttlich aufgefasst. Im Zuge dessen verlagerte sich auch der Schwerpunkt der Yoga-Praxis, die sich zunehmend darauf ausrichtete, durch Meditation das wahre Selbst – Atman genannt – zu erkennen.


Yoga als Ausweg aus dem ewigen Rad der Wiedergeburt

Mit den im Mahabharata und im Ramayana versammelten volkstümlichen Geschichten und Legenden erhielten Angehörige aller Kasten (zumindest diejenigen, die lesen konnten), denen bisher das Wissen und die Ausübung religiöser Rituale versagt war, Zugang zu einem spirituellen System. Denn dies war vordem ausschließlich Männern der obersten drei Kasten vorbehalten – sofern sie es sich leisten konnten, da die Brahmanen sich die Weitergabe ihres Wissens um die Verbindung mit Gott reichlich vergüten ließen.

Der Gesang der Erhabenen

Eine der grundlegenden Quellen, in denen Yoga als Weg der Erkenntnis und Erlösung des Menschen beschrieben wird, ist die Bhagavadgita – „der Gesang des Erhabenen“, ein Teil der um 500 v. Chr. entstandenen Mahabharata. In ihr erläutert Krishna, eine Inkarnation des Gottes Vishnu, dem Kriegshelden Arjuna, dass jeder – unabhängig von der Kaste, in die er in diesem Leben hineingeboren wurde – den Weg des Yoga gehen und die Methoden und Techniken nutzen kann, um Atman, sein wahres Selbst und das Göttliche in sich, zu erkennen.

Der Weg des Yoga bot jedem Einzelnen ein System von Techniken und Methoden an, Selbsterkenntnis zu erlangen und eine Verbindung zum Göttlichen im eigenen Innern herzustellen. Jeder konnte nun sein Schicksal selbst beeinflussen und Verantwortung für sein Leben übernehmen – und war damit nicht mehr auf die Hilfe der Brahmanen angewiesen, um, nach hinduistischem Glauben, aus dem „ewigen Rad der Wiedergeburt“ auszusteigen.

Dharma: Das allumfassende Weltgesetz

Die Basis der indischen Kultur bildet ein alles umfassendes Weltgesetz – Dharma (sanskr.: Stütze, Gesetz, Pflicht). Danach hat jeder Mensch eine Bestimmung in seinem Leben zu erfüllen, und es besteht für jeden die Aufgabe, herauszufinden, was in diesem Leben getan werden muss, um der eigenen Natur gerecht zu werden – um Atman, das Göttliche in sich, zu erkennen. Jedes Wesen hat daher seiner Natur entsprechende Rechte, Pflichten, Eigenarten, Grenzen und Fähigkeiten.

Auf dieser Grundannahme basiert auch das indische Kastensystem: Jedes Wesen sucht sich seine Kaste bei Geburt gleichsam aus, denn sie ist das Ergebnis des im vorangegangenen Leben angesammelten Karmas. So kann jeder seine Aufgabe, sein Dharma, im Rahmen seiner Möglichkeiten erfüllen und so sein Karma verbessern, um in einem kommenden Leben in eine höhere Kaste aufzusteigen. Das Ziel ist es, das Selbst (Atman) mit dem Göttlichen oder Brahman zu vereinen und so eines Tages aus dem Rad der ewigen Wiedergeburt aussteigen zu können.

Das Gesetz vom Karma

Das Gesetz von Karma, dem Kreislauf von Ursache und Wirkung, bildet auch die ethische Grundlage für Yoga, nach der jede Handlung Konsequenzen hat, ob in diesem oder in einem späteren Leben. Jeder trägt demnach die Verantwortung für seine Handlungen und kann im Rahmen seiner Möglichkeiten das Resultat seines Handelns beeinflussen. Entsprechend wird er Nutznießer eines guten Karmas oder aber er wird früher oder später unter schlechtem Karma zu leiden haben.

Patanjalis Yoga-Sutras

Den Geist zur Ruhe bringen

Die Techniken des Yoga wurden erstmals zwischen 200 v. und 200 n. Chr. von Patanjali in den Yoga-Sutras (sanskr. sutra: Leitfaden) systematisch zusammengefasst. Patanjalis Yoga wird auch klassischer Yoga, Raja Yoga oder Kriya Yoga genannt. Die genauen Hintergründe ihrer Entstehung sind nicht bekannt. Ob sich hinter dem Namen -Patanjali eine einzelne Person, eine Brahmanenfamilie oder ein Zusammenschluss von Weisen verbirgt, bleibt bis heute im Dunkeln. Einer Legende nach befahl Vishnu seiner Schlange Adisesha, in Patanjali zu inkarnieren, damit sie den Menschen eine praktische Form des Yoga bringe.

Philosophie und Psychologie in einem

Die insgesamt 195 Sutras bestehen aus kurzen, prägnanten, jedoch bedeutungsvollen Sätzen. Wie in der modernen Psychologie wird hier die Funktionsweise des Geistes beschrieben, und welche Hindernisse, Schwierigkeiten und Störungen im Geist auftreten können, die Selbsterkenntnis und reflektiertes Handeln verhindern. Als Weg zu einer positiven Veränderung des Geistes empfehlen die Yoga-Sutras Patanjalis den sogenannten „achtgliedrigen Pfad“. Wird dieser Pfad befolgt, lassen sich die Ursachen des Leids erkennen und in der Zukunft vermeiden. So wird der Weg zur Selbsterkenntnis frei.

„Monkey Mind“ – Der Geist springt hin und her

Nach Patanjali besteht eine wesentliche Eigenschaft des Geistes darin, dass er sich normalerweise weigert, im Hier und Jetzt zu verharren. Vielmehr springt er wie ein Affe von Gedankenast zu Gedankenast. Er ist ständig rastlos in Bewegung und nicht auf den Augenblick konzentriert, sondern beschäftigt sich gleichzeitig mit den verschiedensten Dingen: mit Geschehnissen aus der Vergangenheit, mit Planungen für die Zukunft und mit allen Sinneseindrücken, die er währenddessen zu verarbeiten hat. Gleichzeitig interpretiert der menschliche Geist üblicherweise alles, was gesehen, wahrgenommen und erlebt wird.

Dabei lässt er sich von seinen Gedankenmustern, Gewohnheiten, Glaubenssätzen, Vorstellungen und Konditionierungen (im Sanskrit samskara genannt) leiten, die er im Verlauf seines Lebens erlernt und sich durch Wiederholung angewöhnt hat. Sie ziehen sich wie eine Furche durch den Geist und lassen den Geist nur schwer aus diesen Bahnen ausbrechen – unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht, richtig oder falsch sind. Kein Wunder also, dass der Geist bei all diesen Aktivitäten in aller Regel unruhig ist – was zur Folge hat, dass auch die menschlichen Handlungen oftmals unkonzentriert und unreflektiert sind. Bewusstes Handeln dagegen setzt die Klarheit des Geistes voraus – eines Geistes, der zur Ruhe gekommen ist. Vor diesem Hintergrund entwickelte Patanjali den achtgliedrigen Pfad, mit dem Ziel, den Geist zur Ruhe zu bringen.

Ziel: Ein ruhiger Geist im Hier und Jetzt

Es wird stets die Aufgabe des Geistes bleiben, unaufhörlich zu denken und zu interpretieren – dafür ist er schließlich da. Es geht daher im Yoga nicht darum, den Geist auszuschalten, sondern vielmehr um die Fähigkeit, sich von seinem Hin und Her nicht beeindrucken zu lassen und stattdessen die gesamte Aufmerksamkeit auf einen einzigen Gegenstand, eine Sache auszurichten. So wird die Wahrnehmung klar und nicht mehr durch die Vielbeschäftigung des Geistes getrübt. Bewusstes und konzentriertes Handeln im Hier und Jetzt wird möglich – ein wahrhaft hohes Ziel. Jedoch legt einem der Geist auf dem Weg dorthin permanent Steine in den Weg: die Kleshas.

yogascittavrttinirodhah
Yoga ist, wenn die Bewegungen des Geistes zur Ruhe kommen. (Yoga-Sutra 1.2.) Citta: Der Geist, das Meinende, der Verstand, der alles interpretiert, was wahrgenommen wird.

tada drastuh svarupe vasthanam
Dann entsteht die Fähigkeit jenseits aller vorgefassten Meinungen und Vorstellungen das Wahre zu erkennen. (Yoga-Sutra 1.3.)

Kleshas: Die Störfaktoren im Geist

Patanjali nennt eine Vielzahl von Hindernissen, die den Geist immer wieder aus der Ruhe bringen und damit zu Leid führen; diese fasst er in den fünf Hauptverursachern, den Kleshas, zusammen. Dabei handelt es sich um grundlegende, tief sitzende Kräfte – allesamt menschliche Tendenzen, die sich wie ein Schleier über die Wahrnehmung legen und das gesamte Denken und Handeln beeinflussen. Diese Widerstände im Geist verhindern klares Sehen und damit den Weg in die Freiheit.

Die fünf Kleshas auf einen Blick

Avidya: Die subjektive Wahrnehmung

Avidya, Nicht-Wissen oder falsches Wissen, ist sozusagen die Mutter allen Leids. Denn alles Wissen, mit dem die Welt wahrgenommen wird, ist niemals objektiv, sondern immer subjektiv. Die menschliche Wahrnehmung ist geprägt von zuvor erworbenem Wissen: von Erfahrungen, die im Verlauf des Lebens gemacht wurden, von Wünschen und Träumen, von bestimmten Vorstellungen und Erwartungshaltungen – den eigenen und denen der anderen. Dieses subjektive Wissen wird oftmals für objektiv und wahr gehalten und dazu genutzt, die Welt zu beurteilen. Diese grundlegende Täuschung bildet nach Patanjali den Nährboden für vier weitere Kleshas.

Asmita: Das Ego – der Nabel der Welt

Asmita bezeichnet sowohl die falsche Einschätzung der eigenen Person als auch einen übertriebenen Egoismus. Das eigene Selbstbild hat vielfach nur bedingt etwas mit dem wahren Selbst zu tun, sondern ist von Kindesbeinen an geprägt durch Wahrnehmungen und Meinungen anderer. Diese Aussagen fräsen sich gleichsam in den eigenen Geist ein, bis man glaubt, tatsächlich so zu sein, wie die anderen sagen. Daraus resultieren Minderwertigkeitsgefühle ebenso wie ein überhöhtes Selbstwertgefühl. Beides führt nach Patanjali zu einer übersteigerten Ich-Bezogenheit: Die Gedanken kreisen ständig um einen selbst, und man betrachtet sich als den Nabel der Welt.

Raga: Unbedingt-immer-wieder-haben-Wollen

Raga drückt den Wunsch nach Bedürfnisbefriedigung aus und dem Festhalten an Vorlieben – was sich auch in einer regelrechten Gier oder in Süchten ausdrücken kann. Dahinter verbergen sich gute Erfahrungen, die man zumindest einmal gemacht hat und daraufhin immer wieder erleben möchte. Das Glücksverlangen allein steuert das Handeln.

Dvesha: Auf-gar-keinen-Fall-(wieder)-haben-Wollen

Damit wird das Gegenteil von Raga bezeichnet, nämlich eine übertriebene Ablehnung von Dingen, die auf schlechten Erfahrungen oder Vorurteilen basiert. Anstatt einer Situation oder einem Menschen offen gegenüberzustehen, bestimmt Dvesha, in diesem Fall Schubladendenken und negative Gedanken, das Handeln.

Abhinivesha: Die Angst vor Unbekanntem

Hinter Abhinivesha verbirgt sich eine diffuse Angst, die nicht unbedingt auf einer Erfahrung, sondern auf der Annahme basiert, dass etwas schiefgehen könnte. Im Grunde steckt dahinter Todesangst – die Angst vor der vollkommenen Ungewissheit, denn niemand weiß mit Bestimmtheit, was nach dem Tod geschieht. Aber da alles stetigem Wandel unterliegt und es im Leben keine letztgültigen Gewissheiten gibt, finden sich auch im Alltag genügend Anlässe, sich von der Angst beherrschen zu lassen.

Zwar hat Angst durchaus ihre Berechtigung und bisweilen eine regelrechte Schutzfunktion; kann der Geist aber nicht zwischen einer berechtigten und einer diffusen Angst vor Unbekanntem unterscheiden, wirkt sich dies als Lähmung auf ihn aus. So gerät er außerstande, mit Klarheit wahrzunehmen, zu entscheiden und zu handeln. Nach Patanjali ist die Angst das Klesha, das am stärksten wirkt und am schwierigsten überwunden wird.

Wachsamkeit und Innehalten

Die Kleshas sind nicht immer gleich aktiv. Mal wirken sie im Verborgenen oder werden kaum wahrgenommen, mal sind sie stark ausgeprägt und beherrschen offensichtlich das Handeln. Mit Wachsamkeit lässt sich jedoch den eigenen Kleshas auf die Spur kommen. Dabei gilt es innezuhalten, das automatische Reiz-Reaktion-Schema anzuhalten, zu durchbrechen und dann bewusst zu entscheiden, wie man reagieren möchte. Zwar lassen sich, Patanjali zufolge, die Kleshas niemals vollkommen überwinden, der achtgliedrige Pfad zeigt jedoch Methoden auf, wie man ihren Einfluss auf die Wahrnehmung und auf das eigene Handeln deutlich vermindern kann.

Ashtanga Marga – der achtgliedrige Pfad:

Ein praktischer Leitfaden zu innerer Freiheit

Innere Freiheit und Unabhängigkeit können nach Patanjali nur dann erreicht werden, wenn es gelingt, durch einen bewussten Umgang mit den Störfaktoren des Geistes deren Einfluss auf die eigene Wahrnehmung und das Handeln abzuschwächen. Der achtgliedrige Pfad stellt eine Art Hilfsprogramm zur Überwindung der Kleshas dar; er besteht aus einer Reihe konkreter, praktischer und auch heute noch sehr lebensnaher Vorgehens- und Verhaltensweisen.

Kein gradliniger Pfad

Patanjalis Ashtanga Marga (sanskr. ash: acht, anga: Glied eines Körpers, marga: Pfad) wird zwar als achtgliedriger Pfad bezeichnet, ist aber nicht so zu verstehen, dass notwendigerweise ein Schritt nach dem anderen gegangen werden müsste. Jedes Glied (vor allem die ersten fünf) gewährt einen Einstieg, auch wenn die meisten Menschen, die sich dem Yoga nähern, mit der Asana-Praxis beginnen.

So entwickelt sich das Einhalten der Yamas, der Verhaltensregeln für den Umgang mit der Umwelt, und der Niyamas, der Regeln für den Umgang mit sich selbst, häufig erst durch die Asana-Praxis. Manche integrieren Pranayama- und Meditationsübungen erst nach jahrelanger Übung in ihre Praxis. Das Ziel des Yoga aber bleibt, alle Glieder möglichst zeitgleich gleichwertig zu berücksichtigen und auf dem eigenen Weg mit Leben zu füllen.

Ein lohnenswerter Weg

Die einzelnen Glieder des achtgliedrigen Pfads – das wusste bereits der Verfasser der Yoga-Sutras – lassen sich nur langsam entwickeln. An den Punkt der vollkommenen Freiheit zu gelangen, ist mehr als schwierig (was auch jedem sofort einleuchtet, der es jemals versucht hat). Daher ist er als ein ständiger Prozess zu betrachten, in dem man sich kontinuierlich weiterentwickelt, und keineswegs als ein schneller Weg zur Erleuchtung.

Doch auch wenn es vielleicht nie gelingen wird, sich von seinen Kleshas und seinen Samskaras ganz zu befreien, stellt er einen überaus lohnenden Weg dar: Mit kontinuierlicher Praxis und mit einem offenen Geist und offenen Herzen (in dem für Patanjali die Selbstkenntnis des Menschen verborgen liegt) für das, was im Yoga geschieht, kann man sich Schritt für Schritt von den eigenen Mustern und Blockaden, den Meinungen und Erwartungshaltungen anderer befreien. Zumindest lässt sich dabei lernen, diese zunehmend besser zu erkennen und bewusster mit ihnen umzugehen. Und wer weiß: Vielleicht erreicht man eines Tages doch die ganz große innere Freiheit!

Üben, üben – und nochmals üben

Um den Einfluss der Kleshas zu mindern und den Geist zu klären, ist es erforderlich, beharrlich zu üben sowie den Gedanken loszulassen, dass das Üben sofort Resultate mit sich bringen muss. Jeder sollte eine ihm angemessene Anstrengung auf sich nehmen und diese über einen längeren Zeitraum beibehalten. Darüber hinaus gilt es, alles andere (was zudem vielfach nicht in der eigenen Macht steht) loszulassen und das bedeutet, so anzunehmen, wie es kommt. Bei beidem hilft das Grundvertrauen darauf, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet.

Der achtgliedrige Pfad auf einen Blick

  1. Yamas – der Umgang mit der Umwelt
  2. Niyamas – der Umgang mit sich selbst
  3. Asana – der Umgang mit dem Körper
  4. Pranayama – der Umgang mit dem Atem
  5. Pratyahara – der Umgang mit den Sinnen
  6. – 8. Samyama – der Umgang mit dem Geist
  7. Dharana – Konzentration
  8. Dhyana – Meditation
  9. Samadhi – Das Höchste: Die innere Freiheit

 

1. Glied: Die Yamas – vom Umgang mit der Umwelt

In den Yamas werden fünf Verhaltensgebote für den rücksichtsvollen Umgang eines Individuums mit seiner äußeren Umwelt benannt:

ahimsasatyasteyabrahma- caryaaparigrha yamah
Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Maßhalten und Nicht-Horten sind die äußere Disziplin. (Yoga-Sutra 2.30.)

Ahimsa: Gewaltlosigkeit

Ahimsa geht weit über die rein körperliche Gewaltlosigkeit hinaus; vielmehr geht es darum, destruktive Taten – aber auch Worte und Gedanken – zu erkennen und so weit wie möglich aus dem eigenen Leben zu verbannen. Das schließt einen bewussten und rücksichtsvollen Umgang mit der Umwelt, mit anderen Lebewesen und nicht zuletzt mit sich selbst ein. Es gilt, allem Lebendigen gegenüber eine tiefgreifende Sensibilität zu entwickeln und in jeder Situation abzuwägen, welche Verhaltensweise den geringsten Schaden anrichtet.

Satya: Wahrhaftigkeit

Hinter Satya verbirgt sich nicht bedingungslose Ehrlichkeit, sondern vielmehr authentisches Verhalten. Es geht darum, nichts vorzugeben, was nicht wahr ist – auch nicht aus falscher Rücksichtnahme. Außerdem meint Satya die Sorgfalt, nicht nur zu bedenken, was, sondern auch wie etwas gesagt wird und welche Konsequenzen die Wahrheit hat. Ziel ist, die Wahrheit so gut es geht zu formulieren, ohne jemandem absichtlich oder unnötig zu schaden.

Asteya: Nicht-Stehlen

Asteya beinhaltet nicht zu nehmen, was einem nicht gehört – wobei kein Unterschied gemacht wird, ob es sich dabei um Güter, Taten oder Gedanken handelt. Sich mit fremden Federn zu schmücken, Ideen zu klauen oder jemandes Vertrauen zu missbrauchen, ist in diesem Sinn genauso ein Bruch mit Asteya wie das Tafelsilber mitgehen zu lassen. Das Eigentum des Anderen gilt es immer zu respektieren.

Brahmacharya: Maßhalten

Brahmacharya betrifft das Maßhalten in allen Lebensbereichen und das sich Konzentrieren auf das Wesentliche. Alles Übermaß, alle Abhängigkeiten und alle Extreme können dazu führen, dass das Denken und Handeln vollständig davon bestimmt wird. Genau dies gilt es durch Brahmacharya zu verhindern. Es geht bei diesem Gebot daher nicht um vollständige Abstinenz (etwa von Genussmitteln, aber auch von Gewohnheiten), sondern darum, das richtige Maß zu finden, sich seinen Leidenschaften nicht auszuliefern und somit unabhängig zu bleiben. Ursprünglich verbirgt sich hinter Brahmacharya sexuelle Enthaltsamkeit und Askese – ausgehend von dem Gedanken, dass alles, was nicht auf das Wesentliche (und das ist die Suche nach der Wahrheit) ausgerichtet ist, reine Energieverschwendung sei.

Aparigraha: Nicht-Horten

Das Konzept von Aparigraha ist dem von Asteya ähnlich, konzentriert sich jedoch stärker auf die innere Haltung einer Anspruchslosigkeit. Es beinhaltet die bewusste Reflexion dessen, was und wieviel man tatsächlich von etwas (Lebensmittel, Raum usw., aber auch Anerkennung oder Ruhm) braucht. Das kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Entscheidend für Aparigraha ist, sich von Erwartungshaltungen zu lösen und den eigenen Wert zu erkennen.

Die Yamas – ein ethischer Verhaltenskodex

Die Yamas stellen einen ethischen Verhaltenskodex dar, kann Patanjali daher in gewissem Sinn als einer der ersten Umweltschützer angesehen werden. Klimawandel, Ressourcenschwund, zunehmende gesundheitliche Probleme (physischer wie psychischer Natur) vieler Zeitgenossen, wachsende Gewaltbereitschaft und viele weitere Probleme der heutigen Zeit machen deutlich, wie aktuell die Ethik des Yoga ist.

Persönliches Wohlbefinden dank der Yamas

Das Einhalten der Yamas kann dazu führen, Harmonie mit sich und seiner Umwelt zu finden. Der Geist wird ruhiger, je weniger er sich mit den Belastungen des Lebens identifiziert. Je stärker die eigenen Absichten von den Yamas geprägt sind, desto mehr lässt sich eine Atmosphäre des Friedens um sich herum schaffen. Je mehr Positives jemand ausstrahlt, desto mehr Positives wird auch zurückkommen. Und je freier der Mensch von Begehrlichkeiten und Abhängigkeiten ist, desto größere innere Gelassenheit wird er verspüren. Und je größer die innere Gelassenheit ist, desto einfacher erscheint das eigene Leben und desto leichter lässt es sich mit den Unwägbarkeiten des Lebens umgehen.

Gewaltlosigkeit = Vegetarismus?

Im Zusammenhang mit Ahimsa wird heute unter Yogis vielfach das Thema Vegetarismus angeführt. Vegetarier zu sein, ist für viele Yogis eine Selbstverständlichkeit, aber ob dies ein Muss ist oder nicht, beurteilen Yogis durchaus unterschiedlich. Dennoch wird jeder, der Yoga praktiziert, im Laufe der Zeit ein stärkeres Bewusstsein und auch eine weitgreifendere Rücksichtnahme für alle Lebewesen entwickeln und so zunehmend auf sein Körpergefühl hören, ohne dabei irgendwelchen Dogmen folgen zu müssen.

Der Alltag – eine große Herausforderung

Im täglichen Leben ist es allerdings eine besondere Herausforderung, sich an die Yamas zu halten. Denn jeder Tag konfrontiert den Übenden bei vielerlei Gelegenheiten mit der Frage, wie weit sich die Yamas beachten lassen. Die wenigsten Menschen sind schließlich Heilige und finden es auch gar nicht erstrebenswert, solche zu sein. Daher bedarf es auch einer Portion Rücksicht sich selbst gegenüber, um mit Humor und Gelassenheit die eigenen Fortschritte, aber auch Rückschläge bei der Einhaltung der Yamas zu beobachten und diesen Weg als fortwährenden Prozess zu betrachten.

2. Glied: Die Niyamas – vom Umgang mit sich selbst

In den Niyamas werden fünf Verhaltensweisen für den Umgang mit sich selbst benannt:

saucasantosatapahsvadhyayesvarapranidhanani niyama
Reinheit, Bescheidenheit und Zufriedenheit, Disziplin, Selbststudium und das Erkennen der eigenen Grenzen sind die innere Disziplin. (Yoga-Sutra, 2.32.)

Shaucha: Reinheit

Auf körperlicher Ebene bedeutet Shaucha nicht nur die übliche tägliche Hygiene, sondern auch die bewusste Ernährung und die Reinhaltung des Körpers durch kontinuierliche Asana-Praxis. Auch die direkte Umgebung, auf die der Yogi Einfluss hat – wie etwa seine Kleidung oder Wohnung, ist davon betroffen. Auf geistiger Ebene bedeutet Shaucha, die Gedanken rein zu halten und von Rücksichtnahme leiten zu lassen.

Santosha: Zufriedenheit

Santosha bezieht sich darauf, mit dem, was man hat und was man ist, zufrieden zu sein – sei es auf materieller, körperlicher oder intellektueller Ebene. Das setzt voraus, sich selbst und seine persönlichen Umstände zu akzeptieren. Santosha bedeutet jedoch nicht, dass man sich nicht entwickeln und nicht weiter lernen sollte, sondern vielmehr, die innere Zufriedenheit nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen.

Tapas: Selbstdisziplin

Die Selbstdisziplin entsteht aus einem „brennenden Verlangen“ (sanskr. tapah: Hitze) und einem inneren Bedürfnis. Dieses brennende Verlangen ist der Treibstoff, der es ermöglicht, mit Ausdauer und Durchhaltevermögen die Anstrengungen auf sich zu nehmen, um auf dem Weg zur Selbsterkenntnis weiterzukommen.

Svadhyaya: Selbststudium, Selbstreflexion

Traditionell bedeutete Svadhyaya das Studium der alten heiligen Schriften, um Selbsterkenntnis zu erlangen. Es benennt aber auch die Fähigkeit, sich und sein Verhalten zu beobachten, zu analysieren und zu reflektieren. Das heißt, sich immer wieder zu fragen, welche Momente das eigene Verhalten beeinflussen, welchen Reiz-Reaktions-Schemata man unterliegt und worin gegebenenfalls die Ursachen dafür liegen.

Ishvara Pranidhana: Vertrauen in eine höhere Kraft

Beim letzten Niyama geht es darum, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, dass vieles nicht im Einflussbereich der eigenen Macht liegt. Ob diese Akzeptanz – dieses „Loslassen“ – in Form der Hingabe an eine Göttlichkeit erfolgt oder als eine Art Grundvertrauen in das Leben an sich oder auch in eine höhere Kraft, bleibt jedem selbst überlassen.

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Die Yogapraxis muss drei Qualitäten aufweisen: Disziplin, Selbststudium und Akzeptanz der eigenen Grenzen. (Yoga-Sutra 2.1.)

Patanjalis Kriya Yoga stellt sozusagen die Kurzfassung des achtgliedrigen Pfads dar: Die drei Verhaltensweisen Disziplin, Selbststudium und Akzeptanz im Umgang mit sich selbst hebt Patanjali als besonders wirkungsvoll hervor.

Die Tücken der Niyamas im Alltag

So einleuchtend die Niyamas als Richtlinien für den Umgang mit sich selbst auch sein mögen, so tückisch erweisen sie sich manchmal im Alltag: Den Körper rein zu halten, erscheint noch einfach; aber alle Gedanken? Damit wird es schon schwieriger. Auch die Zufriedenheit wird angesichts zahlloser alltäglicher Versuchungen immer wieder auf die Probe gestellt. Das „brennende Verlangen“, die Disziplin, wird allzu oft von einer plötzlichen und unerklärlichen Trägheit gebremst. Selbstreflexion ist anstrengend, und wie oft möchte man gar nicht so genau in die eigenen tiefen Abgründe blicken? Leicht erscheint es dagegen, die eigenen Grenzen zu erkennen, was allerdings nicht heißt, dass sich nicht trefflich damit hadern ließe. Da hilft nur eines: weitermachen, sich nicht überfordern, kleine Schritte gehen und sich nicht von Rückschlägen verunsichern lassen!

3. Glied: Asana – vom Umgang mit dem Körper

Heutzutage macht das Üben der Körperhaltungen, der Asanas, vielfach den Großteil der yogischen Praxis aus. Die Yoga-Sutras des Patanjali erwähnen lediglich das Sitzen (sanskr. asana: sitzen, verweilen). Die hier von ihm geforderten Qualitäten lassen sich jedoch auf alle später entwickelten Asanas übertragen.

Harmonie finden im Gegensätzlichen

In den Yoga-Sutras werden zwei Qualitäten genannt, die „Asanas“ in sich vereinen sollten: Stabilität und zugleich Leichtigkeit. Der Körper sei einerseits fest in der Asana ausgerichtet und gleichsam geerdet, was Stabilität bewirkt. Gleichzeitig wird eine energetische Leichtigkeit erreicht, indem man bis an die Grenzen der eigenen Möglichkeit herangeht, jedoch keinesfalls über diese hinaus, sodass sich mit einer gewissen Leichtigkeit und Freude in der Asana verweilen lässt.

sthirasukhamasanam
Asanas sollen gleichermaßen die Qualitäten Stabilität und Leichtigkeit haben. (Yoga-Sutra 2.46.)

Tato dvandvanabhigatahj
Ein Mensch, der Asanas richtig übt, kann auch durch extreme äußere Einflüsse nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. (Yoga-Sutra 2.48.)

4. Glied: Pranayama – vom Umgang mit dem Atem

Unter Pranayama wird eine bewusste Lenkung der Energie verstanden, das heißt das Regulieren und die Ausdehnung des Atems. Durch das Einüben einer bewusst gesteuerten Atmung werden Körper und Geist beruhigt, wodurch Blockaden aufgelöst werden und in der Folge Energie besser fließen kann. Mehr dazu im Kapitel Pranayama.

tatah ksiyate prakasavaranam
Wenn Pranayama regelmäßig geübt wird, verringern sich die Blockaden, die eine klare Wahrnehmung verhindern. (Yoga-Sutra 2.52.)

5. Glied: Pratyahara – vom Umgang mit den Sinnen

Pratyahara bedeutet das Zurückziehen der Sinne: Diese sind gleichsam wie offene Türen im Geist, der sich allem zuwendet, was durch die jeweilige Tür auf ihn zukommt. Das ist einerseits lebensnotwendig, da die Sinne den Kontakt zur Außenwelt herstellen. Zum anderen besteht ständig die Gefahr der Reizüberflutung und der Ablenkung von der Konzentration auf eine Beschäftigung. Mit Pratyahara lernt man, die Sinnestüren zu schließen, sodass der Geist die äußeren Reize zwar noch wahrnimmt, aber nicht mehr auf sie reagiert.

6.–8. Glied: Samyama – vom Umgang mit dem Geist

Samyama umfasst die letzten drei Glieder des Pfades, die sich ausschließlich mit dem Geist befassen. Dienen die anderen fünf Glieder des Yoga-Übungspfads dazu, den Geist zu beruhigen und ihn für den Weg zur inneren Befreiung vorzubereiten, dringt Samyama zum Kern vor: der Selbsterkenntnis.

6. Glied: Dharana – Konzentration

Dharana bezeichnet die Fähigkeit, die eigene Konzentration vollkommen auf einen Gegenstand, ein Tun, eine Frage oder Überlegung auszurichten und dabei zu verweilen. Durch diese Art der Konzentration wird ein tieferes Durchdringen und ein Verständnis des Objektes der Konzentration erst möglich.

7. Glied: Dhyana – Meditation

In der Meditation entsteht eine Art Wechselwirkung mit dem Objekt der Konzentration. Im Zustand der Meditation werden das subjektiv geprägte Wissen, Denkmuster, Glaubenssätze, Erwartungshaltungen und Emotionen hinter sich gelassen und die Dinge intuitiv so gesehen, wie sie sind. Wie ein Beobachter schaut man auf das, was zuvor als Meditationsgegenstand ausgewählt wurde. Der neutrale Beobachter akzeptiert alles, was er sieht – ohne es zu bewerten und zu beurteilen, ohne eingreifen oder etwas ändern zu wollen.

8. Glied: Samadhi – das Höchste, die innere Freiheit

Am Ende des Pfads wartet das Höchste: der Zustand der inneren Freiheit. Die Yoga-Sutras beschreiben diesen als die vollkommene Verschmelzung mit dem Objekt der Meditation. Das Empfinden für die eigene Identität löst sich auf. Es gibt zahlreiche weitere Umschreibungen für Samadhi: die Erkenntnis des wahren Selbst oder Erleuchtung, die Verschmelzung mit der Welt als Ganzem oder mit etwas Göttlichem. Innere Glückseligkeit, ein Zustand der absoluten Freiheit, der unabhängig von äußeren Umständen ist.

trayamantarangam purvebhyah
Im Vergleich mit den ersten Gliedern des Pfads sind die drei zuletzt genannten schwierig. (Yoga-Sutra 3.7.)

abhyasavairagyabhyam tannirodhah
Durch Üben und durch die Fähigkeit loszulassen, kann der Geist den Zustand von Yoga erreichen und aufrechterhalten. (Yoga-Sutra 1.12.)

Hatha Yoga: DER KÖRPER ALS WERKZEUG

Unter dem Einfluss des Tantrismus, dessen Vertreter zu Beginn des 6. Jahrhunderts die Idee entwickelten, dass alles, was ist, Ausdruck des Göttlichen sei – also auch der Körper – entstand ungefähr im 9. Jahrhundert der Hatha Yoga: der körperbezogene Übungsweg des Yoga. Auch hier ist grundlegende Erkenntnis das Ziel. Der Weg dahin führt jedoch erstmals nicht nur über Meditation, sondern auch über Körperübungen. Mit der Hatha Yoga Pradipika entstand eine Reihe praktischer Übungsanleitungen, die auch heute noch, wenngleich in abgewandelter Form, aktuell sind und von den meisten Yogis praktiziert werden. Hatha Yoga wurde damit zum Oberbegriff für alle körperlich orientierten Yogastile und steht für die Lenkung von Energien im Körper.

Hatha Yoga Pradipika: ha: Sonne; tha: Mond; Yoga: vereinen; Pradipika: Lämpchen (Licht auf)

Tantrismus

Der Tantrismus ist eine religiöse Strömung, die seit dem 5. Jahrhundert einen bedeutenden Einfluss auf Hinduismus und Buddhismus ausübt. In den tantrischen Lehrtexten (Tantras) werden die Unterschiede zwischen Makro- und Mikrokosmos, Universal- und Einzelseele, Mann und Frau nicht als wirkliche Dualität angesehen und ihre „Erlösung“ als deren Wiedervereinigung zu dem ursprünglich ungeteilten Einen beschrieben. Insbesondere im Westen wird der Tantrismus gern mit vergeistigten Sexpraktiken in Verbindung gebracht. In der Tat betrachten die Tantriker den Körper als heilig. Aber die körperlichen Rituale und Praktiken werden spirituell eingesetzt, um das kosmische Bewusstsein (Shiva) und die kosmische Energie (Shakti) im eigenen Körper zu vereinigen und damit zur höchsten Stufe der Glückseligkeit zu gelangen. Der Körper dient dabei als Brücke zur Vereinigung von Purusha und Prakriti.

Männliche und weibliche Energie

Die männliche Energie wird durch die Form der Sonne symbolisiert (sanskr. ha) und wird mit Wärme, Motivation, Schwung, Entschlossenheit, Aktivität und der extrovertierten, den Verstand betonenden Seite des Menschen verbunden. Die weibliche Energie zeigt sich in Form des Mondes (sanskr. tha) und wird mit Kühle, Passivität, Fantasie und der gefühlsbetonten, liebevollen und intuitiven Seite des Menschen verbunden. Die Welt besteht zwar aus Dualismen, aber alles, was auf den ersten Blick gegensätzlich erscheint, erweist sich aus der Sicht der Hatha Yogis als zwei Seiten der gleichen Medaille und gehört zusammen. Deshalb zielt der Hatha Yoga darauf ab, beide Seiten zu vereinigen und zu harmonisieren.

Der energetische Körper

Der Hatha Yoga geht bei der Betrachtung des Körpers über die rein anatomische Struktur hinaus – und berücksichtigt, dass nicht nur die Ernährung, sondern auch alle Emotionen, Verletzungen, Gedanken und vieles mehr im Körper gespeichert werden und für Verspannungen und Energieblockaden sorgen. Diese Energieblockaden gilt es zu lösen, damit die Lebensenergie frei fließen kann. Hatha Yogis stellen daher Energiearbeit mit dem eigenen Körper in den Vordergrund ihrer Yoga-Praxis.

Aufbau des energetischen Körpers

Der energetische Körper besteht aus Prana (der Lebensenergie), Koshas (den Schichten des Körpers) und Nadis (den Energiekanälen), die Prana im Körper transportieren, sowie aus Chakren, den Energiezentren und Hauptknotenpunkten der Nadis. Schulmedizinisch nachweisbar ist der energetische Körper nicht. Deshalb fällt es vielen Menschen (vor allem im Westen) insbesondere am Anfang schwer, sich die Existenz des energetischen Körpers vorzustellen. Das ist letztlich aber auch gar nicht erforderlich. Um mit der Körperenergie zu arbeiten, genügt den meisten die Vorstellung und Visualisierung von Bildern, die mit dem energetischen Körper verbunden sind, um sich auf bestimmte Stellen im Körper zu konzentrieren und die Energie dorthin zu lenken.

Koshas: Die fünf Schichten des Körpers

Der Hatha Yoga geht von fünf Schichten oder Ebenen des Körpers aus. Diese sind nicht voneinander getrennt, sondern gehen vom Groben ins Feine – gleichsam vom Äußeren ins Innere. Dies ist eines der ältesten Bilder des Körpers, das sich bereits in den Upanishaden findet.

koerperschichten

 

Annamaya Kosha: Der physische Körper
Dies ist die einzige greifbare Schicht, die sich aus den fünf Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft und Raum zusammensetzt und den physischen Körper bildet.

Pranamaya Kosha: Der Energiekörper
Damit ist die vitale Ebene des Körpers gemeint, die sowohl den physischen und als auch geistigen Körper mit Energie versorgt. Grobstofflich betrachtet beinhaltet diese Schicht den Blutkreislauf, das Atemsystem und den Stoffwechselkreislauf; auf feinstofflicher Ebene sind damit alle Energiekanäle gemeint, die Prana im Körper transportieren. Pranamaya Kosha stellt die Brücke zwischen Körper und Geist dar; daher setzen die Übungen des Hatha Yoga auf dieser Ebene an, um den Geist und die emotionale Verfassung des Übenden zu beeinflussen.

Manomaya Kosha: Der Informationskörper
Diese Schicht ist das Instrument, das Informationen über die Sinneseindrücke sammelt, und ebenso der Sitz aller Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle, Ängste und Erinnerungen. Hier funken sozusagen ständig unbewusste Botschaften zwischen den Körperschichten hin und her.

Vijnanamaya Kosha: Der Körper der Weisheit
Dies ist der Ort der Intelligenz, die in der Lage ist, zu beobachten und die Informationen, die Manomaya Kosha zur Verfügung stellt, zu unterscheiden, zu analysieren, zu reflektieren und zu interpretieren. Idealerweise werden auf dieser Bewusstseinsebene Entscheidungen getroffen, die zu einem bewussten Handeln führen.

Anandamaya Kosha: Der Glückseligkeitskörper
Im Zentrum der Koshas befindet sich die Glückseligkeit. Diese Bewusstseinsebene, welche die Essenz der individuellen Seele (Atman) birgt, erreicht derjenige, der mit sich und der Welt im Reinen ist und weder von Karma, Samskaras noch von den Kleshas beeinflusst wird.

Prana: Die Lebensenergie
Prana ist die im Körper zirkulierende Lebensenergie. Durch verschiedene Atemtechniken versucht der Hatha Yogi, im Zusammenspiel mit der körperlichen Praxis, Widerstände im Körper aufzuspüren. Mit den einzelnen Übungen lenkt er die Energie genau an diese Stellen, um Blockaden zu lösen. Er knipst also, bildlich gesprochen, das Licht an, um mehr zu sehen und spirituell auf eine höhere Ebene zu gelangen.

Nadis: Energiekanäle des Körpers
Als Nadis werden die Energiekanäle bezeichnet, die die Lebensenergie (Prana) im Körper transportieren. Der Überlieferung nach gibt es 72.000 Nadis, welche die Rishis (indische Weise) in tiefer Meditation erspürt haben. Die drei wichtigsten Nadis sind Sushumna, Ida und Pingala.

Sushumna: Sie fängt am Steißbein an und verläuft durch die Wirbelsäule entlang der Chakren bis zur hinteren Kopfmitte. Sie ist normalerweise nicht aktiv und hat nur einen geringen Energiestrom, da sie von Widerständen im Körper und Geist blockiert ist.

Ida & Pingala: Beide beginnen an der Basis der Wirbelsäule, schlängeln sich um die Wirbelsäule herum und kreuzen sich sechsmal unterhalb der Chakren bis zu den Nasenlöchern. Ida endet links und wird mit der weiblichen Energie verbunden; Pingala endet rechts und wird mit der männlichen Energie verbunden. Ida und Pingala verbinden die linke und rechte Körperhälfte miteinander.

Aktivierung von Sushumna: Wenn Sushumna nicht aktiv ist, fließt die Energie abwechselnd durch diese beiden Nadis hindurch (und zwar im Wechsel von etwa 60–90 Minuten). Normalerweise ist der Energiefluss daher nicht ausgeglichen. Der Hatha Yogi strebt den Ausgleich von Ida und Pingala an, weil erst dann Sushumna deblockiert und aktiv wird. Kann die Energie durch Sushumna fließen, werden die Chakren aktiviert. Wenn es dort keine Blockaden gibt und der Energiestrom stark genug ist, schießt die Energie direkt bis ins letzte Chakra (in der Krone des Kopfes), in dem sich das universelle Bewusstsein mit dem individuellen Bewusstsein vereinigen kann.

Chakren: Energiezentren des Körpers

chakrenAls Chakren werden die Energiezentren des Körpers bezeichnet (sieben an der Zahl), die sich wie Perlen auf einer Schnur entlang der Wirbelsäule bis zur Krone des Kopfes aufreihen. Jedem Chakra sind bestimmte Eigenschaften zugeordnet, die ineinandergreifen und je nach Lebensphase und -lage mehr oder weniger geöffnet sind. Chakra bedeutet soviel wie Rad, sodass man sich jedes Chakra wie eine Art Schwungrad vorstellen kann, das Energie von einer tieferen zur nächsthöheren Entwicklungsstufe transportiert.

Ein Zustand der Ausgeglichenheit ist erst dann erreicht, wenn alle Chakren offen sind, und die Energie frei von unten nach oben strömen kann. Das ist aber aufgrund von körperlichen und geistigen Blockaden, die sich in jedem der Chakren manifestieren können, in der Regel nicht der Fall. Die verschiedenen Techniken des Hatha Yoga dienen dazu, diese Blockaden zu überwinden.

Erkenntnis durch Konzentration auf die Chakren

Der Hatha Yogi versucht in seinen Übungstechniken durch Konzentration auf die Chakren herauszufinden, wo Minder- oder Negativausprägungen zu Blockaden und Schutzmechanismen führen. Wie jeder andere Yoga-Weg sucht auch der des Hatha Yoga, sich von diesen Blockaden zu befreien und ein ganzheitliches Bewusstsein der Einheit zu erreichen.

In der Praxis werden dabei die einzelnen Elemente, die den Chakren zugeordnet sind (siehe Tabelle), eingesetzt, um die Konzentration auf die Chakren zu stärken. So werden zum Beispiel die Farben visualisiert oder die Silben gesungen, um die Chakren, die man sich als Räder vorstellen kann, in Schwingung zu bringen.

Kundalini, die Schlange, erwacht zum Leben

Der Überlieferung nach liegt Kundalini (sanskr.: Schlange) eingerollt an der Basis der Sushumna und blockiert deren Energiefluss. Durch einen ausgeglichenen Energiefluss in den beiden anderen Haupt-Nadis und aktiven Chakren erwacht Kundalini, rollt sich auf und gibt den Weg frei für die kosmische Energie (Shakti), die nun endlich die Sushumna hinaufschießen und sich mit dem kosmischen Bewusstsein (Shiva) vereinen kann. Shakti empfindet unendliche Wonne und tiefe Freude, endlich dort zu sein, wo sie zu Hause ist. Aufgrund dieses mythologischen Bildes wird der Hatha Yoga auch oft Kundalini Yoga genannt. Manche Yoga-Schulen beschäftigen sich ausdrücklich mit der Kundalini und bereiten mit ihren Übungen den Körper auf die emporsteigende Energie vor. Ziel ist es, die Chakren zu reinigen, damit die Kundalini ungehindert aufsteigen kann. Im modernen Yoga wird Kundalini auch mit dem sogenannten inneren Schweinehund verglichen, den es in der Praxis zu überwinden gilt, indem man sich immer wieder neue Widerstände oder Blockaden vornimmt und sich an ihnen „reibt“.

Die Kundalini beschreibt die eingerollte Schlange. Wem es gelingt, diese Kraft in Bewegung zu setzen, wird ohne den geringsten Zweifel befreit. (Hatha Yoga Pradipika III, 108)

Die 7 Chakren auf einen Blick

Jedem Chakra sind bestimmte Elemente zugeordnet, die bei der Konzentration auf die Energiezentren mit einbezogen werden können.

Chakra Zuordnung Wird verbunden mit ...
1. Muladhara Chakra
„Halter der Wurzel“
Basischakra
Basis, Wurzelchakra
Sitz: Beckenboden
Element: Erde
Sinn: Geruchssinn
Farbe: Rot
Silbe/Buchstabe: Lam/U
... der Fähigkeit, sich im Leben
verwurzelt zu fühlen. Stichworte:
Familie, Kindheit, Urvertrauen,
Gesellschaft, Konditionierungen,
Stabilität, Existenzangst
2. Svadhishthana Chakra
„Ort des Selbst“
Sakralchakra
Sitz: Unterleib
Element: Wasser
Sinn: Geschmackssinn
Farbe: Orange
Silbe/Buchstabe: Vam/O
... dem, was die eigene Identität
ausmacht.Stichworte: Geschlecht,
Kreativität, Dualismus, Sexualität,
Fortpflanzung
3. Manipura Chakra
„Stadt der Juwelen“
Solarplexuschakra
Nabelchakra
Sitz: Oberbauch
Element: Feuer
Sinn: Sehsinn
Farbe: Gelb
Silbe/Buchstabe: Ram/OU
... dem, was das eigene Selbst
ausmacht. Stichworte:
Selbstwert, Selbstvertrauen
Tatkraft, Entwicklung, Macht,
Selbstbewusstsein
4. Anahata Chakra
„Nicht-angeschlagener
(mystischer) Ton“
Herzchakra
Sitz: Brustraum
Element: Luft
Sinn: Tastsinn
Farbe: Grün
Silbe/Buchstabe: Yam/A
... allen emotionalen Themen.
Stichworte: Liebe, Mitgefühl,
Trauer, Schmerz, Hingabe, Wut,
Hass, Freude
5. Vishuddha Chakra
„das Lautere, Reine“
Halschakra
Kehlkopfchakra
Sitz: Hals
Element: Äther
Sinn: Hörsinn
Farbe: Meeresblau
Silbe/Buchstabe: Ham/I
... dem achtsamen Verarbeiten und
der Interpretation der
Sinneseindrücke. Stichworte:
Wille, Aufrichtigkeit, Kommunikation,
Ausdruck von Energien,
Authentizität, innere Haltung,
6. Ajna Chakra
„Ort des Befehls“
Stirnchakra
Drittes-Auge-Chakra
Sitz: Stirnraum
Element: Geisteskräfte
(feinstofflich)
Sinn: Gleichgewichtssinn
Farbe: Dunkelblau
Silbe/Buchstabe: OM/E
... der Fähigkeit, sich selbst zu
erkennen, das Leben und sich selbst
so zu sehen, wie es ist. Stichworte:
Gehirnfunktionen, Verstand, Logik,
Analyse, Reflexion, Kontemplation,
Intuition, Selbsterkenntnis
7. Sahasrara Chakra
„Tausendblättriger Lotus“
Kopfchakra
Kronenchakra
Sinn: keine Zuordnung
Farbe: Violett
Silbe/Buchstabe:
Innerer Klang/M
Stichworte: Verbundenheit, wahres
Sehen, wahre Natur, wahres Selbst,
Freiheit, Glückseligkeit, das
Höchste, Verbindung mit Gott
oder einer höheren Kraft, innere und
äußere Einheit, Samadhi,
Erleuchtung

 

Die Übungstechniken des Hatha Yoga

Asana
Die Asana-Praxis, das Einüben der Körperpositionen, ist ein zentraler Punkt im Hatha Yoga. Die in der Hatha Yoga Pradipika beschriebenen Asanas wirken allesamt auf die Wirbelsäule, um die zentrale Energie zu stimulieren und zu lenken. Im Verlauf der Jahrhunderte entstand eine Vielzahl von Asanas, die ebenfalls alle das Augenmerk auf die Wirbelsäule richten.

Ausgewogene Ernährung
In der Hatha Yoga Pradipika finden sich Ernährungsempfehlungen, die auch heute noch Bestand haben. Frisch, leicht verdaulich, maßvoll und abwechslungsreich soll die Ernährung sein: also eine ausgewogene Mischkost, die zudem noch freudig und in Ruhe genossen werden soll. Es gibt kein ausdrückliches Verbot, Fleisch oder Fisch zu essen, allerdings den Hinweis, dies sei für Yogis unpassend. Ob diese Empfehlung auf Ahimsa zurückgeht oder auf die schlichte Tatsache, dass Fleisch schwerer zu verdauen ist als Gemüse, ist allerdings nicht dokumentiert.

Shat Karma Kriya: Reinigungsrituale
reinigungDie Reinigungsrituale werden ausgeübt, um den physischen Körper und die Energiekanäle, die Nadis, zu reinigen. Sie sind für westliche Übende teilweise recht ungewöhnlich und nur bedingt zur Nachahmung geeignet. Wer sie erlernen möchte, sollte sich von einem Lehrer einführen lassen, der diese Techniken selbst gut beherrscht.

Dhauti: innere Reinigung des Herzraums, des Magens und des Darms
Basti/Vasti: äußerliche Reinigung der Ausscheidungsorgane
Neti: Reinigung der Atemorgane
Trataka: Reinigung der Augen
Nauli: Reinigung der Verdauungsorgane
Kapalabhati: Reinigung des inneren Kopfraums und der Lungen

Es bedarf eines guten Lehrers und viel Übung, Nauli, die Reinigung der Verdauungsorgane, zu lernen. Die Verdauungsorgane werden wie in einer Schleuder im Bauchraum gedreht.

Bandhas: Die Körperverschlüsse
Mit Bandha (sanskr.: fesseln, binden, halten, Schloss, Siegel, Ventil) werden Körperverschlüsse bezeichnet, die wie ein Ventil die Energie im Körper halten, regulieren und leiten, kurz: um den Energiefluss zu optimieren. Um die Bandhas zu setzen und in der Asana wirkungsvoll als Unterstützung, ja sogar Stütze einzusetzen, bedarf es ein wenig Übung. Zum einen sind die Bandhas subtile Muskelkontraktionen und zum anderen bedarf es erhöhter Konzentration, um sie zu setzen und zu halten.

Mula Bandha
Mula Bandha (sanskr.: Wurzel, Basis) gibt Festigkeit und Stabilität. Außerdem verhindert es, dass das Becken nach hinten kippt und ein Hohlkreuz entsteht. Um Mula Bandha zu setzen, wird in der Einatmung der Beckenboden angespannt. Dabei zieht das Steißbein nach unten und vorn, wodurch das Kreuzbein nach unten gezogen und der untere Rü?cken lang wird. Dadurch werden die Lendenwirbel stabilisiert und Fehlhaltungen im unteren Rücken vermieden. Die Muskelkontraktion entsteht in erster Linie zwischen dem After und dem Geschlechtsorgan. Anfänglich hilft die Vorstellung, auf Toilette zu müssen, aber nicht zu können, wodurch alle Schließmuskeln aktiviert werden. Es entwickelt sich ein immer feineres Gefühl für die Kontraktion der Dammmuskeln.

Uddiyana Bandha
Uddiyana Bandha (sanskr.: emporfliegen) stabilisiert den mittleren und oberen Rücken. Dadurch werden Fehlhaltungen insbesondere im Brustwirbelbereich verhindert. Um Uddiyana Bandha zu setzen, wird der untere Bauch in der Ausatmung nach innen und der Bauchnabel nach oben gezogen. Dadurch entsteht ein leichtes Vakuum im Brustkorb sowie ein Sog nach oben; beides erzeugt eine gewisse Leichtigkeit.

Halten von Mula Bandha und Uddiyana Bandha
Um den Effekt von Stabilität und Leichtigkeit gleichermaßen zu erzielen, wird Mula Bandha in der Einatmung und Uddiyana Bandha in der Ausatmung gesetzt. Am Anfang ist es nicht leicht, die Konzentration aufrechtzuerhalten, die das Setzen der Bandhas erfordert, aber mit ein wenig Übung werden die Bandhas geradezu „in Fleisch und Blut“ übergehen.

Jalandhara Bandha
Jalandhara Bandha (sanskr.: Netz, Gewebe) reguliert den Energiestrom zwischen dem Herzen und dem Gehirn und verhindert einen Druck auf dem Herzen. Es wird hauptsächlich bei Atemübungen, insbesondere in der Atemverhaltung gesetzt, indem die Nackenwirbel lang nach oben gezogen werden, das Kinn leicht abgesenkt und der Kehlkopf sanft nach innen gesogen wird.

Mudras: Siegel des Körpers
mudrasMudras sind Haltungen der Hände zur Konzentration auf den Energiefluss. Sie helfen, die Energie bewusst im Körper erfahrbar zu machen und zu lenken. Die unterschiedlichen Mudras haben darüber hinaus jeweils eine symbolische Bedeutung.

Aus der Vielzahl der Mudras hier eine kleine Auswahl der wichtigsten:

  1. Jnana Mudra: Die Vereinigung des individuellen Selbst (Zeigefinger) mit dem Kosmos (Daumen).
  2. Dhyana Mudra: Geste der Meditation. Es transformiert jede Anhaftung in klare Wahrnehmung.
  3. Anjali Mudra: Das Mudra bedeutet Gabe, Opfergabe, Hingabe. Oft wird es mit dem Wort „Namaste“ verbunden: „Die Göttlichkeit in mir verbeugt sich vor der Göttlichkeit in dir“.

Pranayama und Meditation
Die Ausführungen des Hatha Yoga zu diesen Themen unterscheiden sich nicht wesentlich von Patanjalis achtgliedrigem Pfad.

Lauschen auf den inneren Ton
Damit ist das Chanten von OM gemeint, das in vielen verschiedenen Varianten gesungen werden kann. Oft wird es dreimal hintereinander angestimmt, um sich zu sammeln. Verbreitet ist auch das kontinuierliche Chanten vom OM, das zuerst leise, dann lauter und wieder stetig leiser werdend gesungen wird, bis es vollkommen verstummt. Anschließend folgt die Konzentration auf den inneren Klang, eine innere Vibration, mit der die Energiebahnen gereinigt und Blockaden aufgelöst werden. Ziel ist es, Anahata Nadam, den Klang der Stille, zu hören.

Die heilige Silbe OM
OM ist das heiligste Mantra und wird gleichermaßen von Yogis, Hindus und Buddhisten gesungen. OM ist der universelle Urklang. Im Sanskrit setzt sich OM aus den Buchstaben a und u, die in der Kombination zu o werden, und dem Nasallaut m zusammen. Es kursieren zahlreiche Bedeutungen dieser drei Buchstaben, meistens wird damit jedoch der Anfang, die Mitte und das Ende verbunden – und so die Silbe OM als Abbild der vollständigen Wirklichkeit in ihrer Vollkommenheit verstanden.

Das Ziel: Samadhi
Ähnlich wie in Patanjalis achtgliedrigem Pfad ist Samadhi, die innere Freiheit, das Ziel der Hatha-Yoga-Übungen. Die Hatha Yoga Pradipika beschreibt verschiedene Phänomene, die eintreten, wenn der Yogi befreit ist: Er ist „frei von allem Denken... kann Zeit transzendieren... kennt weder Geruch, noch Geschmack, noch Berührung noch Geräusch, noch sich selbst, noch andere... ist weder wach noch schläft er... kennt keine Hitze oder Kälte, Glück oder Unglück... schläft scheinbar im Wachzustand, ohne Ein- und Ausatmung... ist von keiner Waffe oder Macht dieser Welt verletzbar“ (Hatha Yoga Pradipika)

Der Weg ist das Ziel
Diese Ausführungen mögen genügen, um an dieser Stelle deutlich zu machen, dass auch der Weg des Hatha Yoga, ähnlich wie Patanjalis achtgliedriger Pfad, nicht unbedingt für die Ungeduldigen geeignet ist; denn er stellt einen äußerst langwierigen Weg dar, um den Zustand von Samadhi zu erreichen. Dennoch ist jeder einzelne Schritt in seine Richtung dazu geeignet, sich unabhängiger von äußeren Umständen zu machen und immer größere innere Gelassenheit in der Begegnung mit der Welt und all ihren Erscheinungen zu entwickeln.

Die yogische Weltsicht im Wandel der Zeit

Das universelle Bewusstsein
Die Vorstellung eines universellen Bewusstseins wurde bereits in den Lehren der Upanishaden entwickelt. Für dieses Bewusstsein kannte der frühe Yoga zahlreiche Namen: Brahman, Purusha, Ishvara, Atman – um nur einige zu nennen – und bezeichnete damit all das, was mit dem Göttlichen verbunden wurde. Dieses universelle Bewusstsein umfasste den Sehenden, das Gesehene sowie den Akt des Sehens gleichermaßen und manifestierte sich in allem: sowohl in der äußeren Welt als auch in der Seele – das heißt, in Atman, dem Göttlichen in jedem Einzelnen.

Wirklichkeit und Illusion
Um 400 v. Chr. entwickelte eine indische philosophische Schule (Samkya) eine neue Sichtweise auf das universelle Bewusstsein: Dieses sei die Realität und existiere ewig. Alles andere – Maya genannt – sei nur Illusion und verschleiere die Realität. Demzufolge sei die Welt, wie sie wahrgenommen werde, nur ein Spiegelbild der Illusion, die im Geist entstehe, und keine Manifestation des Göttlichen. Die Natur, alle Lebewesen, Körper, Geist und Emotionen sind nach dieser Lehre vom Göttlichen getrennt. Sie bedürfen daher keiner besonderen Beachtung, da sie Teil der Illusion und in ständigem Wandel begriffen sind.

Purusha und Prakriti: Die dualistische Sicht auf die Welt
Diese radikale Sicht auf die Welt wurde von nachfolgenden Generationen von Yogis, die auf der Basis der Yoga-Sutras des Patanjali. Yoga praktizierten, nicht vollständig geteilt. Sie bedienten sich der globaleren Sicht, die der dualistischen Weltsicht entsprach: Danach teilt sich die Welt auf in das universelle Bewusstsein (Purusha) und das individuelle Bewusstsein (Prakriti). Purusha ist die göttliche Instanz, der wahres Sehen möglich ist und die ein kosmisches Bewusstsein von Unsterblichkeit besitzt. Purusha ist beständig, zeitlos, real und unwandelbar, sozusagen der Urzustand, der sich in Atman, dem göttlichen Kern in jedem einzelnen Menschen, manifestiert. Prakriti wiederum ist die wandelbare Materie, die äußere Schale, die aus allem, was gesehen und wahrgenommen werden kann, besteht. Diese Materie manifestiert sich in drei Formen, den sogenannten Gunas.

Gunas: Die Qualitäten der Materie
Alles, was Prakriti zugeordnet wird, trägt drei Qualitäten – Gunas – in sich:

Prakriti besteht daher immer aus einer Kombination der drei genannten Qualitäten, wobei mal die eine, mal die andere vorherrscht. Das Bestreben eines Yogis ist es, in all seinen Handlungen, Gedanken und Gefühlen so „sattvisch“ wie möglich zu sein. Pures Sattva ist in der materiellen Welt zwar nicht erreichbar, aber Körper und Geist können mit den Techniken des Yoga dahin gebracht werden, die negativen Einflüsse der Qualitäten Tamas und Rajas zu reduzieren. Tamas wird durch Rajas und Rajas durch Sattva überwunden.

Die Identifikation mit Prakriti bringt immer wieder Leid hervor, da es unbeständig ist. Deshalb geht es im Yoga darum, alles Materielle zu erforschen – ohne jedoch darin verhaftet zu sein –, um zum Kern, zum universellen Bewusstsein vorzudringen – oder anders gesagt: um eine Einheit zwischen Purusha und Prakriti zu erlangen.

Die Hauptwege des historischen Yoga

Die Geschichte des Yoga hat im Wesentlichen fünf Hauptwege hervorgebracht, die in der heutigen Praxis häufig miteinander kombiniert werden, da sie sich keineswegs widersprechen, sondern sich vielfach ergänzen.

Wege des Yoga in der Bhagavadgita
In der Bhagavadgita werden drei Yoga-Wege aufgezeigt, welche die Übungswege bis heute nachhaltig beeinflusst haben:

Bhakti Yoga: Der Weg der Hingabe führt über die Hingabe an etwas Höheres, welches das Leben bestimmt, in die Freiheit. Damit verbunden ist die Akzeptanz des eigenen Schicksals und die Vorstellung, dass alle Erfahrungen von etwas Höherem geleitet werden und dem eigenen Wohl dienen. Im Mittelpunkt dieses Weges stehen Liebe, Hingabe und Mitgefühl. Eines der unterstützenden Mittel, den Bhakti-Yoga-Weg zu gehen, ist das Chanten, das Singen hingebungsvoller Gottesanrufungen und Lobgesänge, mit denen der Bhakti Yogi seine Ergebenheit an etwas Höheres zum Ausdruck bringt.

Karma Yoga: Der Weg des bewussten Handelns fußt auf dem Prinzip, unabhängig von Zuneigung und Vorlieben bewusst und selbstlos zu handeln. Ziel ist, Leid zu vermeiden oder zumindest, soweit es geht, zu mindern. Im Karma Yoga ist der Mensch nicht nur für jede seiner Handlungen – ob in Gedanken, Worten oder Taten – verantwortlich, sondern zugleich für alle Konsequenzen daraus. Das Dharma, die Aufgabe im Leben, ist zu erfüllen – unabhängig davon, was man dafür erhält.

Jnana Yoga: Der Weg der Weisheit wird mit Hilfe von Wissen, Verstand, Intellekt und Unterscheidungsvermögen beschritten. Zu Selbsterkenntnis gelangt der Jnana Yogi zum einen durch die geistige Suche nach Wahrheit, indem er die alten Schriften studiert und durch Selbstreflexion die Struktur des Geistes erkennt; zum anderen dringt er durch Meditation in Schichten jenseits des Intellekts vor und gelangt so zu weiteren intuitiven Erkenntnissen. Ein Jnana Yogi geht davon aus, permanent zu lernen – wobei alles ein Lehrer sein kann: die alten Schriften, Gurus (Lehrer) und Satsangs (Gemeinschaften Wahrheitssuchender) ebenso wie der gewöhnliche Alltag.

Raja Yoga: Grundlage für diese auch Königsweg genannte Richtung sind die Sutras von Patanjali. Der Raja Yogi folgt dem achtgliedrigen Pfad Patanjalis und schenkt insbesondere den letzten drei Gliedern besondere Bedeutung. Er besitzt mit seinem Geist, seinem Körper und seinem Atem Werkzeuge, um zu Selbsterkenntnis zu gelangen.

Hatha Yoga: Der Weg der Körperlichkeit entstand unter dem Einfluss des Tantrismus (s. S. 33, Kasten) und führte erstmals nicht nur über Meditation und Selbsterkenntnis zur Begegnung mit dem Höchsten, sondern verstärkt über Körperübungen. Diese werden bis heute – wenngleich in abgewandelter Form – von den meisten Yogis praktiziert. Im Hatha Yoga dreht sich alles um Energiearbeit zur Lenkung des Energieflusses. Grundlagentext für diese Richtung ist die Hatha Yoga Pradipika.

MODERNER YOGA: YOGA GOES WEST

Bis ins 16. Jahrhundert hinein blieb in Indien Hatha Yoga sehr populär. Entwicklungen einer zunehmend strengreligiösen Ausrichtung im Hinduismus führten jedoch dazu, dass niedere Kastenangehörige sowie Frauen vom Übungsweg des Yoga ausgeschlossen wurden – mit der Folge, dass der Weg des Yoga nahezu vollkommen aus dem Leben der Inder verschwand. Dennoch blieb das Yoga-Wissen über Jahrhunderte hinweg erhalten und erlebte seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine weit über Indien hinaus wirkende Renaissance – zunächst vor allem durch religiöse Neuerungsbewegungen, welche die alten Yoga-Praktiken neu belebten. Einer der Wiederentdecker des Yoga wurde der indische Philosoph Sri Aurobindo Ghose (1872–1950), der mit seinem Konzept des „Integralen Yoga“ eine dogmenfreie Verbindung zwischen allen Religionen zu schaffen suchte.

Erste Schritte in den Westen
Swami Vivekananda (1863–1902), einer der Begründer des Neuhinduismus, widmete sich zeitlebens dem Ziel, die vedischen Lehren auch im Westen bekannt zu machen. Das Jahr 1893, in dem Vivekananda eine Rede vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago hielt, kann als Geburtsjahr des Yoga im Westen betrachtet werden: Hier stellte er die Praktiken des Yoga, welche die Rishis (indische Weise) auf der Suche nach einem zufriedenen und glücklichen Zustand über Tausende von Jahren entwickelt hatten, erstmals einem großen westlichen Auditorium vor. Seither war der Einzug des Yoga in den Westen nicht mehr aufzuhalten.

Die Modernisierer alter Traditionen
Neben zahlreichen anderen Yogis haben vor allem zwei weitere Inder den Yoga zu dem gemacht, wie er heute weltweit bekannt ist: Swami Sivananda Saraswati und T. Krishnamacharya. Swami Sivananda Saraswati (1887–1963) entwickelte einen Yoga-Stil, der Karma, Jnana, Bhakti und Raja Yoga miteinander vereinte. Mit dieser Kombination können – so Sivananda – alle Herausforderungen des Lebens gemeistert werden. Eine sanfte Asana-Praxis, um den Körper gesund zu halten, gehört ebenso dazu wie Meditation, um den Geist zu beruhigen.

Tirumalai Krishnamacharya
(1888–1989) prägte wie kaum ein anderer den körperbetonten Yoga, der heute in zahlreichen Stilvarianten im Westen gelehrt und geübt wird. Schon als Kind erhielt er den ersten Yoga- und Sanskrit-Unterricht und ließ Studien des Sanskrit, der Logik und Grammatik, Ausbildungen in den verschiedenen philosophischen Systemen Indiens und in der ayurvedischen Heilkunst folgen. Seine Yoga-Kenntnisse vertiefte Krishnamacharya sieben Jahre lang im Himalaya bei seinem Lehrer Ramamohan Brahmachari. Auf dessen Wunsch verzichtete er anschließend auf eine Karriere als Gelehrter; stattdessen wurde er Yoga-Lehrer und gründete in Mysore eine Schule, wo er nach und nach auch Frauen und westliche Schüler unterwies. Zu seinen berühmtesten Schülern gehören B.K.S. Iyengar, Patthabi Jois und T.K.V. Desikachar. Krishnamacharya ging in Indien regelrecht auf Tournee, um einer großen Zahl von Menschen den Yoga – wieder – nahezubringen. Er gilt als unumstrittener „Godfather“ des modernen Hatha Yoga – und alle später entwickelten körperbetonten Stile haben ihre Wurzeln im Yoga Krishnamacharyas.

Neben einer spirituellen Praxis stellte Krishnamacharya die Vorteile der Asana-Praxis in den Mittelpunkt seiner Lehre; dabei versuchte er nicht, den Menschen dem Yoga entgegenzuführen, sondern brachte jedem seiner Schüler auf individuellem Wege den Yoga nahe. Jeder seiner Schüler bekam ein auf ihn persönlich zugeschneidertes Übungsprogramm. Für Jugendliche etwa sah er eine Reihe von aufeinander aufbauenden, anspruchsvollen Übungssequenzen vor, die seine Schüler immer wieder neu herausforderten. Um die Konzentration seiner Schüler zu stärken, kombinierte er ihre Asanas mit Atemübungen und ließ die Sequenzen von einer Asana in die nächste fließend üben. So bereitete er diese Schüler auf eine spirituelle Entwicklung vor, die – trotz der Konzentration auf die Asana-Praxis – auch für Krishnamacharya das Ziel des Yoga blieb. Für Kranke hingegen setzte er gezielte Asana- und Atemübungen in Kombination mit ayurvedischen Heilbehandlungen ein, um bei den Schülern diese Hindernisse – denn Krankheit betrachtete er als Hindernis – auf dem Weg der spirituellen Entwicklung zu verringern und zu beseitigen.

Die Reise geht weiter
Es gibt zahlreiche Stilrichtungen, Philosophien, Strömungen und Methoden, die sich seither im Yoga entwickelt haben und beinahe täglich entstehen neue – mit immer neuen Schwerpunktsetzungen. Yoga boomt regelrecht – und das auf der ganzen Welt! Auch ist er inzwischen zu einem nicht zu vernachlässigenden Wirtschaftsfaktor geworden: Es gibt Yoga-Ausbildungszentren, -Studios, -Seminare, -Workshops, -Kleidung, -Zubehör, Yogi-Lebensmittel und noch vieles mehr. Ein Ende der wachsenden Yoga-Welt ist nicht in Sicht. Immer mehr Menschen lernen die mannigfaltigen Vorteile des Yoga kennen und schätzen, da jeder seinen Stil, mit dem sich der Weg in die innere Freiheit beschreiten lässt, finden kann. Verschaffen Sie sich einen Überblick bei Yoga-On-Studios & Lehrer – dort finden Sie garantiert auch den Stil, der zu Ihnen passt.